» BME rmr News
DE-Mail oder E-Postbrief - neuer Standard für die rechtssichere, elektronische Kommunikation?
06.07.2010
Ziel dieses von Ekkehard Hahn, Geschäftsführer der Mail Professionals GmbH, moderierten Workshops war es, viele noch offene Fragen zu dem geplanten neuen Standard der rechtssicheren elektronischen Kommunikation in Deutschland zu klären. Eingeladen waren nicht nur Unternehmen, die an einem Feldversuch der DE-Mail in Friedrichshafen teilgenommen hatten, sondern auch die Deutsche Post, die ihre Variante der DE-Mail, den E-Postbrief präsentieren und erläutern sollte. Da diese Einladung nicht angenommen wurde, beantwortete Herr Leslie Romeo, bei 1&1 Internet AG verantwortlich für das Projekt "DE-Mail und hybride Dienste", die zahlreichen, zum Teil sehr ins Detail gehenden Fragen aus dem Teilnehmerkreis.
Von Anfang an war geplant, in das ursprünglich vor drei Jahren vom Bundesministerium des Inneren unter dem Begriff "Bürger-Portal" gestartete Projekt die Wirtschaft mit einzubinden. Ziel war und ist es, eine gesetzliche Grundlage für einen Standard zu schaffen, der in Zukunft eine rechtssichere und gleichzeitig problemlose Kommunikation ermöglicht. Hintergrund hierfür war eine EU-Dienstleistungsverordnung, die die jeweiligen Staaten verpflichtet, ihre analogen Kommunikationswege bzw. Prozesse auch digital - also für den elektronischen Kommunikationsweg geeignet - zu ermöglichen. Das betrifft nicht nur die Kommunikation der Ämter untereinander, sondern auch die Kommunikation der Bürger mit ihren Behörden, der Unternehmen mit dem Staat, der Unternehmen untereinander bzw. der Unternehmen mit ihren Kunden. Es ist jetzt vorgesehen, dass bis Ende dieses Jahres das notwendige Gesetz einschließlikch der dazu notwendigen Durchführungsverordnungen in Kraft treten soll.
Das heißt nicht, dass die Briefpost gänzlich "stirbt" und der "normale" E-Mail-Verkehr der Vergangenheit angehört. Sondern dass jetzt zusätzlich eine Möglichkeit geschaffen wird, auf elektronischem Wege Dokumente, Verträge und sonstige rechtsverbindliche Unterlagen zustellsicher vom Absender an den Empfänger zu übermitteln. Wobei gleichzeitig folgende Voraussetzungen geschaffen werden:
1. Absender und Empfänger sind eindeutig identifizierbar
2. Die Kommunikation wird so verschlüsselt sein, dass sie auf dem Weg vom Absender zum Empfänger weder gelesen noch irgendwie verändert werden kann.
3. Der Integritätsschutz wird sichergestellt - das heißt, dass die Kommunikation nicht verändert und dass auf dem Rechner weder beim Absender noch beim Empänger unberechtigt zugegriffen werden kann
4. Die Zustellfiktion - also die Sicherheit der Zustellung beim Empfänger wird gegeben sein.
Der Unterschied zwischen DE-Mail und dem E-Postbrief der Deutschen Post AG liege, so Leslie Romeo, einzig und alleine in der Ausstattung des neuen Dienstes - also in den Add-ons. Die Grundvoraussetzungen sind bei beiden angebotenen Produkten gleich. Allein die Zusatzoptionen, die man bei den einzelnen Anbietern abrufen kann, machten später den Unterschied. Denkbar wäre unter anderem, dass die einzelnen Anbieter dieses neuen Kommunikationswegs eine Online-Speicherung ermöglichen, um dadurch die Möglichkeit zu bieten, im Falle des Ausfalls des Rechners des Kunden, jeder Zeit auf die Daten zurück greifen zu können. Auf jeden Fall werden die Auslagerungs- und Vervielfältigungsmöglichkeiten des übermittelten Dokuments, das dann auch weiterhin als Original-Dokument gilt, größer als im analogen - also dem bisher praktizierten Weg sein.
Ein wesentlicher Vorteil des neuen DE-Mail-Standards wird auch die Bequemlichkeit bei der konfrontativen Zustellung sein. Ein Beispiel hierfür ist der Mahnbescheid, der dann nicht nur einfacher und absolut sicher übermittelt werden kann, sondern auch schneller und nicht ortsgebunden. Weiterer Vorteil: Die nicht unerheblichen Einsparungen bei den Handlings- und Portokosten. Dies gilt besonders für Unternehmen mit hohem Postaufkommen.
Offen ist noch, wie die unterschiedlichen Systeme einer rechtsverbindlichen und sicheren Kommunikation anderer Staaten mit dem DE-Mail-Standard verknüpft werden können. Praktisch kann jedes andere ausländische System bzw. jeder anderer Standard mit dem DE-Mail-Standard kooperieren. "Der Knackpunkt liegt weniger in der Technik, er liegt ausschließlich in der Juristerei und den angelegten Sicherheitskriterien!", so Lesli Romeo.
Zusammengefasst:
Der Bürger hat nicht auf diesen neuen Standard gewartet. Aber
- in Zukunft kann über diesen Weg alles, was derzeit aufgrund irgendwelcher Gründe noch per Brief verschickt werden muss, per E-Mail versandt werden.
- das Einsparpotential wird erheblich sein
- wie hoch, das wird der Markt bestimmen
- im DE-Mail-Postfach wird es so gut wie kein Spam mehr geben, denn der Absender kann bei diesem Kommunikationsweg eindeutig identifiziert werden
- der Leistungsumfang der einzelnen Angebote, also die neben den geforderten Grundvoraussetzungen angebotenen Zusatzleistungen, wird von den Anforderungen der zukünftigen Nutzer und dem Provider bestimmt
- missbräuchliche Werbung kann sofort geahndet werden - der Markt der Anbieter wird überschaubar bleiben, weil für den Provider die Notwendigkeit einer hohen Vorinvestition besteht
- es ist richtig, sich jetzt schon mit diesem Thema zu beschäftigen, aber es besteht kein Zeitdruck, da erst bis zum Ende dieses Jahres die gesetzlichen Rahmenbedingungen gegeben sein werden.






